Hand aufs Herz: Wir sind die Generation, die im Job den Kopf hinhalten muss, zu Hause das Familienleben jongliert und bei all dem auf ein funktionierendes System angewiesen ist. „Bahnfahren ist ökologisch sinnvoll und man kann dabei wunderbar arbeiten“, dachte ich mir vor ein paar Jahren noch. Heute blicke ich morgens oft nur mit einem Stoßgebet in die DB-App und frage mich, ob ich pünktlich ankomme – oder ob die nächsten drei Stunden wieder einmal der Verspätungs-Anzeiger zum engsten Begleiter wird.
Wenn der ICE zur Sauna wird
Es ist nicht nur die bloße Unpünktlichkeit, die an den Nerven zerrt. Es ist diese Kombination aus Faktoren, die man als Berufspendler eigentlich nicht braucht. Wir kennen es alle: Draußen sind es 32 Grad, drinnen fällt die Klimaanlage aus. Wir stehen in überfüllten Großraumwagen, zwischen Laptop-Taschen und fremden Menschen, während das Bord-Bistro schon die letzte Flasche lauwarmes Wasser verkauft hat.
In meinen 40ern/50ern hat sich meine Priorität bei einer Reise massiv verschoben. Es geht mir nicht mehr darum, Abenteuer zu erleben. Es geht darum, sicher, pünktlich und bei einem akzeptablen Klima von A nach B zu kommen. Doch das, was die Bahn uns aktuell zumutet, gleicht oft einem Stresstest für den Kreislauf – und das Geduldsfaden-Geflecht.
Baustellen, überall Baustellen
Natürlich weiß ich auch, dass wir eine Infrastruktur haben, die auf Verschleiß gefahren wurde und nun – endlich – modernisiert werden muss. Ich bin absolut für ein leistungsstarkes Netz. Aber die Kommunikation und die operative Umsetzung lassen uns Pendler im Regen (oder in der Mittagshitze) stehen.
Wenn der Bauplanungen und Weichenstörungen zur Dauerbelastung werden, sammeln wir täglich 3, manchmal 4 Stunden Verspätung. Wer übernimmt diese Verantwortung? Wie soll man in einem solchen Umfeld produktiv arbeiten? Der Kopf ist so voll mit der logistischen Sorge, dass am Ende der „verlorenen Zeit“ auch der Arbeitstag mental erschöpft beginnt.
Zeit ist das, was uns am meisten fehlt
Was mich bei all dem am meisten schmerzt: Es ist die verlorene Zeit. Es ist Zeit, die wir nicht mit der Familie verbringen, nicht für Hobbys nutzen oder einfach, um zur Ruhe zu kommen. Diese drei Stunden täglich, die in dunklen Bahnhöfen oder auf offener Strecke verbracht werden, fehlen im echten Leben.
Wir sind eine Generation, die sich vieles aufgebaut hat. Wir verlangen kein Luxusleben – wir verlangen nur eine gewisse Zuverlässigkeit, damit wir unseren Alltag bewältigen können.
Mich würde brennend interessieren: Wie geht ihr damit um? Habt ihr Strategien entwickelt, um das Ganze mit Humor (oder wenigstens einer Portion stoischer Ruhe) zu ertragen, oder seid ihr kurz davor, das Auto trotz aller grüner Ambitionen wieder fest in den Alltag zu integrieren?
Schreibt es mir in die Kommentare. Vielleicht tut es schon gut zu wissen, dass man nicht der einzige „Leidensgenosse“ in diesem überhitzten Zugabteil ist.

Ich bin Sascha Toller, geboren 1985, seit 2003 Lokführer, seit 2014 Vater und schon immer ein bisschen verrückt.


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